Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

 


Liebe Glieder der Christuskirchengemeinde Wiesbaden,

während ich diese Zeilen schreibe, herrscht gerade Wahlkampf in Deutschland. Noch lässt sich schwer vorhersagen, wie die Wahl wohl ausfallen wird. Eines aber steht fest: Das Vertrauen in die politische und wirtschaftliche Führung und in die politischen Parteien scheint einen Tiefpunkt erreicht zu haben. Ja, Politiker haben es zunehmend schwer, Menschen von ihren Ideen und Programmen zu überzeugen. Zu sehr haben Skandale, Vorwürfe von Selbstbereicherung und der Umgang mit der Coronakrise das Vertrauen gegenüber der Politik abnehmen lassen. Es bleibt abzuwarten, was nach der Bundestagswahl aus diversen Wahlversprechen wird.

Nun sind nicht eingehaltene Wahlversprechen wohl so alt wie die Menschheit selbst. Aber Vertrauen – oder besser gesagt Misstrauen – ist ein Thema längst nicht nur in der Politik. Nein, wir kennen das ja leider auch nur allzu sehr aus unserem Alltag. Da werden wir von anderen enttäuscht, und da enttäuschen wir immer wieder auch andere Menschen, indem wir in unserer Familie oder bei der Arbeit oder in unserer Kirchengemeinde das in uns gesetzte Vertrauen missbrauchen. Hier geizen wir vielleicht mit der Wahrheit (wir geben nur so viel zu, wie wir meinen, zugeben zu müssen), dort stehen wir nicht zu unserem Wort, oder sind gar auch kalkuliert schlichtweg unehrlich.

Ja, so erleben wir es leider immer wieder: Dass wir Menschen niemals hundertprozentig vertrauenswürdig sind. Zu sehr sind wir als Sünder in uns verkrümmt. Und diese sündige Verkrampfung setzt unserer Vertrauenswürdigkeit schmerzliche Grenzen. Dadurch kommt es zu Enttäuschungen und Misstrauen. Und darunter leiden Beziehungen und geht im zwischenmenschlichen Miteinander manches in die Brüche.

 

 

Hier ist ein Bild von Gaben zu sehen, die zum Erntedankfest im letzten Jahr auf unserem Altar aufgebaut waren. Was hat das Thema „Vertrauen“ mit dem Erntedankfest zu tun? Es geht an diesem Tag ganz grundsätzlich auch um Vertrauen. Allerdings jedoch um das Vertrauen auf Gott; dass er für uns ist und für uns sorgt. Dieses Vertrauen auf Gott drückt der Psalmbeter im Wochenspruch für das Erntedankfest aus: „Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ (Psalm 145, 15).

Das wunderbare ist, dass Gott – im Gegensatz zu uns Menschen – einhundert Prozent zuverlässig ist in seinem Wort. Auf ihn können wir deshalb vertrauen. Er steht immer zu dem, was er sagt. Ja, was er verspricht, das hält er auch; ohne Ausnahme. Darauf können wir uns verlassen – im Leben und im Sterben. Zwar hat Gott uns nicht die Verheißung gegeben, dass es uns immer und überall gut gehen wird; er hat nicht zugesagt, dass wir immer das bekommen werden, was wir uns wünschen. Aber in seinem Sohn Jesus Christus hat er uns die Verheißung gegeben, dass er in seiner unendlichen Liebe für uns ist; dass er uns um Christi willen als seine Kinder annimmt und so zu Erben seines himmlischen Reichs macht. Wie großartig!

Von Menschen werden wir in unserem Vertrauen immer wieder enttäuscht. So wie wir selbst immer wieder auch andere Menschen in ihrem Vertrauen enttäuschen. Doch Gott sei Dank – ihm, Gott, dürfen wir ganz und gar vertrauen. Was er zusagt (und das ist nicht wenig), das hält er gewiss!

Ihr
Pfarrer Michael Ahlers