Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

 


Liebe Glieder der Christuskirchengemeinde Wiesbaden!

Wir stehen am Ende eines ziemlich verrückten Jahres! Als vor einem Jahr die ersten Fälle von dem neuartigen Coronavirus in China bekannt wurden, da hat wohl kaum einer von uns geahnt, was für Folgen der Ausbruch dieser Krankheit für die ganze Welt haben würde. Dann aber hat sich nach und nach ein Drama entfaltet, das uns momentan immer noch stark im Griff hat. Und ob wir die Gefahr, die von diesem Virus ausgeht, nun für uns selbst als problematisch empfinden, oder nicht, ja, ganz gleich wie wir persönlich zu diesem Virus stehen – er wirkt sich auf unser aller Leben und Alltag aus.

Viele der Einschränkungen der Corona-Zeit fallen uns schwer. Wir vermissen das unbeschwerte Zusammenkommen mit Freunden und Bekannten, die herzlichen Umarmungen geliebter Menschen. Uns fehlt die gewohnte Routine des Alltags, in der wir unserer Arbeit normal nachgehen konnten, die Kinder normal zur Schule gingen, oder wir unseren Ruhestand fröhlich genießen konnten. Wir sehnen uns danach, unsere Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen wie gewohnt feiern bzw. halten zu können. Vieles, auf das wir uns in diesem Jahr gefreut hatten, musste ausfallen. Und die Unsicherheit ist nach wie vor groß, heute nicht wissen zu können, wie sich die Pandemie morgen weiter auswirken wird.

Vielleicht haben wir uns im Laufe der vergangenen Monate gefragt, warum Gott diese globale Krankheit wohl zugelassen hat; kommt sie uns doch wie ein Fluch vor. Dabei kann es gut und heilsam sein, einmal zu fragen, was wir Gutes aus dieser Zeit gewinnen können; was wir dieser Pandemie an Positivem abgewinnen können; woran wir wachsen können. Kurzum: wo Gott diese Pandemie uns zum Segen sein lassen will.

Auf jeden Fall haben wir alle wohl mehr Zeit zur Verfügung gehabt in diesem Jahr; und haben es weiterhin. Wir tun gut daran, diese gewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen. Für uns selbst. Für die Familie. Aber auch, um sich wieder mehr Zeit für Gott, für sein Wort und für das Gebet zu nehmen. Zur Zeit des Alten wie des Neuen Testaments, in der Zeit der frühen Christenheit, ja bis in die jüngste Kirchengeschichte hinein hat das Volk Gottes sich in Zeiten von Krankheiten und Pandemien an Gott gewendet; sich ihm neu hingewandt und ihn um Hilfe und Beistand angerufen.

Die Adventszeit ist ursprünglich eine Fastenzeit gewesen, eine Zeit der bewussten Umkehr und Einkehr bei Gott. Ich möchte Ihnen Mut machen, in der Adventszeit am Ende dieses so verrückten Jahres 2020, die durch die Corona-Einschränkungen gewonnene Zeit dafür zu nutzen, mehr als vielleicht sonst die Adventszeit wieder als Zeit tatsächlich auch für Gott zu nutzen. Richten Sie sich an jedem Tag ein paar Minuten fest ein, in denen Sie sich eine Kerze anzünden und bekannte Adventstexte oder -lieder betrachten. Nehmen Sie sich Zeit für das Nachdenken über Gottes Wort und für das Gebet.

Zu Weihnachten feiern wir, dass der ewige Gott Fleisch wurde, um uns zu erlösen von Sünde, Krankheit, Tod und Teufel. Indem wir die Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest bewusst gestalten, kann uns die Süßigkeit des Weihnachtsevangeliums in besonderem Maße neu aufgehen! Das ist etwas, was wir wohl alle am Ende des Jahres 2020 gut gebrauchen können.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

Ihr
Pfarrer Michael Ahlers