Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

 

 

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Markus 9, 24 (Jahreslosung 2020)


Liebe Glieder der Christuskirchengemeinde Wiesbaden!

Auf dem Bild ist ein kleines Boot auf See zu erkennen. Ganz gemütlich wirkt die Szene nicht. Die See ist unruhig und rau, der Himmel nicht klar; möglicherweise bahnt sich ein Unwetter an. Ja, allzu gerne möchte man unter diesen Umständen in diesem Boot jetzt gerade nicht sitzen wollen.

 

Ein kleines Boot auf hoher See ist nicht zufällig ein klassisches und beliebtes Bild für den Glauben von Christen. Längst nicht immer gleicht das Glaubensleben nämlich einer romantischen Bootsfahrt an einem tollen Schönwettertag. Viel eher erleben wir Christen in unserem Glauben Phasen, die dem Bild auf der Titelseite ähneln. Wo unser Gottvertrauen rauen und bedrohlichen Umständen ausgesetzt ist und zu kentern oder zu zerbrechen droht; ähnlich einem kleinen, zarten Boot in einem großen Wasser, das machtlos den höheren Gewalten ausgeliefert ist.

Es passieren Dinge in unserem Leben, die unseren Glauben erschüttern lassen. Es gibt Durststrecken, in denen scheinbar keine rechte Verbindung zu Gott gelingen will und unser Glaube einzugehen droht. Es gibt Phasen, in denen sich die Zweifel unseres Verstandes oder mancher Mitmenschen negativ auswirken auch auf unseren Glauben.

Wie hilfreich da die Jahreslosung für 2020! Mit der uns ein Vater vor Augen geführt wird, dessen Vertrauen zutiefst angefochten ist. Er hat ein lebensbedrohlich krankes Kind. Und bisher keine Hilfe irgendwo finden können, bei keinem Arzt oder Heiler; auch nicht bei den Jüngern Jesu. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“, schreit er zu Jesus. Es ist, als schreie er: Ich will glauben, Herr, kann aber nicht so richtig, denn mein Vertrauen ist schon zu oft enttäuscht worden; hilf mir.

Wir werden mit dieser anrührenden Geschichte (Markus 9, 14 - 29) erinnert: Ein schwacher, ein angefochtener Glaube ist kein Grund dafür, dass Gott nicht hilft. Jesus hilft dem kranken Jungen, den der Vater zu ihm gebracht hat. Dabei ist es für uns, deren Glauben auch immer wieder angefochten ist – niemals perfekt und unerschütterlich – ungemein tröstlich, dass es nicht der Glaube des Vaters ist, der die Heilung bringt. Sondern Jesus schenkt die Heilung. Entscheidend war nicht die vermeintliche Stärke des Glaubens des Vaters, sondern entscheidend war allein, an wen der Vater sich in seiner Not auch trotz eines zutiefst angefochtenen Glaubens gewendet hat: An Jesus Christus.

Wir brauchen keinen was-weiß-ich für einen starken Glauben. Wenn wir nur um Jesus Christus wissen, der allein einen unerschütterlichen Glauben hat. Nichts tut er lieber als das, wofür sein Name steht: Helfen. Dieses ist übrigens auch sehr schön auf dem Titelbild zu erkennen. Inmitten der rauen See und dem Unwetter hält ein Kreuz das Boot.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Ich meine: Eine tolle Jahreslosung!

Ihr

Pfarrer Michael Ahlers