Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

Liebe Glieder der Christuskirchengemeinde Wiesbaden!

Für die allermeisten ist der Urlaub inzwischen wieder vorbei. Der oft sehr stressige Alltag hat wieder begonnen. Und da hören wir erneut viel – oder sprechen selbst diese Worte: „Es tut mir leid, aber dafür habe ich leider gerade keine Zeit!“ Ja, wann hast du dies das letzte Mal gesagt? Es ist interessant: Wir leben in einer extrem schnelllebigen Welt. In einer Welt, die uns theoretisch mehr Zeit gewinnen lassen müsste. Maschinen machen unsere Arbeit leichter und schneller. Computer und andere technologische Errungenschaften verbessern und beschleunigen die Kommunikation. Und doch haben wir heutzutage scheinbar immer weniger Zeit.

Es ist vielleicht das Tempo des modernen Lebens, das dazu führt, dass die Zeit für uns immer schneller und schneller zu gehen scheint. Jederzeit sind wir erreichbar über Smartphone oder E-Mail. Nachrichten werden im Minutentakt im Internet aktualisiert. Wir nehmen wahr, dass unser Leben begrenzt ist. Und wollen möglichst nichts verpassen. Wir sagen uns: Wenn ich die Dinge in großer Geschwindigkeit tue, kann ich mehr in diesem Leben erleben. Dabei kommen wir ins Rennen und können schwer bremsen. Alles muss nur noch schnell gehen. Kaum ein Feiertag ist mehr so richtig frei. Auch das Programm des Sonntagvormittags bei der Kirche darf nicht zu lange dauern.

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen – Galater 4, 4 - 5

Paulus erinnert uns in diesen Versen, dass Jesus Christus in unsere Welt kam, um uns von der Knechtschaft – von der Versklavung – des Gesetzes frei zu machen. Zu dieser Versklavung unter das Gesetz zählt auch die Versklavung an die Zeit, die wir modernen Menschen so stark empfinden. Doch jegliche Sklaverei des Menschen ist zerbrochen durch Jesus Christus. Er hat die Erfüllung der Zeit gebracht. Er hat als wahrer Gott die Zeit und alle Ewigkeit in seiner Hand. Seine Erscheinung unter uns hat den Einbruch seiner Ewigkeit in unsere Zeit gebracht.

Unter anderem heißt das: Wir Christen sind frei von der Knechtschaft der Zeit. Wir sind frei von der Angst, dass wir in unserem Leben etwas verpassen könnten, wenn wir nicht dieses oder jenes noch tun. Wir sind frei von jeglicher Jagerei und dem Drang immer mehr in unser Leben hineinzupacken, denn uns ist in Christus ein ewiges Leben – unbegrenzte Zeit – gegeben. Ja, Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und uns in der Taufe ein ewiges Leben verheißen. Damit hat er uns die Gewissheit gegeben, dass wir in unserem Leben eben nichts verpassen, weil uns das Beste sowieso noch bevorsteht.

In Christus bin ich frei von der Versklavung an die Zeit. Ich habe Zeit. Zeit für Gott und sein ewiges, lebenbringendes Wort. Zeit für meinen Nächsten; ihn zu lieben wie mich selbst. Und ja, das darf dann auch gerne mal länger dauern!

Ihr

Pfarrer Michael Ahlers