Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

 


 

 

Vikar Benjamin Schütze, Christuskirchengemeinde Wiesbaden

 


 

Jesus Christus spricht: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt,
bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“
(Johannes 12, 24)

 

   

Junges Schaf

 

Liebe Glieder der Christuskirchengemeinde Wiesbaden,

Die Tage werden länger und wärmer. Die Blumen sprießen hervor und die Pflanzen beginnen zu wachsen. Die Aufbruchstimmung der Natur führt auch in uns zum neuen Erwachen von Hoffnung. Ähnlich erging es Jesu Jüngern bei Seinem Einzug nach Jerusalem: Jesus zieht in Jerusalem ein. Bestimmt wird Er jetzt Seine Königsherrschaft antreten! Er wird sich in Seiner ganzen Herrlichkeit zeigen. Jetzt ist es so weit! Das Reich Gottes zum Greifen nahe.


Und dann sagt Jesus dieses denkwürdige Wort: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“


Jesus trübt die erwartungsvolle, frühlingshafte Aufbruchsstimmung ganz gewaltig. Herrlichkeit ja – aber eben so, wie bei einem Saatkorn, das erst in die Erde gelegt und begraben wird. Für die Herrlichkeit des Reiches Gottes muss der menschgewordene Sohn Gottes erst in die Dunkelheit des Todes treten und die Finsternis des Erdreichs schauen.


Christus sagt Seinen Tod voraus. Die Herrlichkeit, die die Jünger erhoffen, gibt es nicht ohne das Leid des Kreuzes. Ostern gibt es nicht ohne Karfreitag. Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes musste für uns am Kreuz sterben!


Aber – und auch das sagt Jesus voraus: Das Weizenkorn, das in die Erde fällt, das bringt viel Frucht. Das Korn bleibt nicht tot in der Erde liegen. Nein, es treibt Keime, wächst aus der Erde empor und trägt Frucht – viel Frucht. Jesu Tod, Sein Begräbnis, ist keineswegs das Ende der Geschichte. Mit Seinem Tod und Begräbnis wird Christus als das Weizenkorn in die Erde gesät, auf dass Er Frucht bringt.


Was aber ist die Motivation für Jesu Leiden und Sterben? In Jesu Ankündigung heißt es: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein“. Aber – Gott will nicht allein sein. Gott will nicht Gott für sich sein. Gott will Gott für uns sein, Seine geliebten Geschöpfe. Gott sucht das Miteinander mit uns Menschen. Er gibt alles dran für die Gemeinschaft mit uns. Er überwindet die Trennung zwischen Mensch und Gott, die durch unsere Sünde aufgebrochen war. Er selbst wird Mensch, um uns nahe zu sein. Er stirbt und lässt sich für uns in den Todesacker legen, sodass wir mit Ihm als seine Früchte auferstehen, um auch ewiglich miteinander mit Ihm zu sein.


miteinander – das ist auch der Titel unseres Gemeindebriefes, den es inzwischen 50 Jahre lang gibt. Das Miteinander, das mit diesem Namen ausgedrückt wird, ist zunächst dieses Miteinander zwischen Gott und uns, das Er durch Seine Menschwerdung, Sein Sterben am Kreuz und Seine Auferstehung begründet hat.


miteinander – das bezeichnet dann aber auch das Miteinander zwischen uns, die wir in Seinen Tod und Seine Auferstehung, ja in Ihn selbst, hineingetauft sind. Dieses Miteinander in Christus verbindet uns heute und es verbindet uns mit den Generationen der letzten 50 Jahre, ja mit allen, die Christus durch Sein Sterben und Auferstehen in Sein Reich gestellt hat und denen er Anteil gibt an Seiner Herrlichkeit.


Aus diesem Grund begehen wir diese Kirchenjahreszeit in der Gewissheit, dass es Karfreitag nicht ohne Ostern gibt! Christus, unser Herr, ist auferstanden und Er wird auch uns mit auferwecken zum Ewigen Leben – miteinander!

Ihr/Euer
Vikar Benjamin Schütze