Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

 


Liebe Glieder der Christuskirchengemeinde Wiesbaden,

auf dem Bild sind Kinderhände zu sehen, die schützend und behutsam eine zarte junge Pflanze tragen. Zwar ist das keine Apfelpflanze, aber das Bild hat mich an ein Zitat erinnert, das Martin Luther zugeschrieben wird, aber ziemlich sicher nicht von ihm stammt. Weil dieses Zitat aber so schön ist, so gut in unsere Zeit passt, Ende April die Apfelblüte beginnt – und weil es immer wieder heißt, dass Martin Luther es vielleicht so auch gesprochen haben könnte (obgleich er natürlich den Weltuntergang nicht gefürchtet, sondern sich darauf gefreut hat) – hier das bekannte Zitate: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen“.

Das ist natürlich quatsch. Wenn wir wüssten, dass morgen die Welt untergeht, würden wir heute gewiss keine Apfelbäume pflanzen. Wir würden uns auf das bevorstehende Ende vorbereiten, unser „Haus bestellen“ (vgl. Jesaja 38, 1), uns Zeit nehmen für Abschiede und eben nicht die uns verbleibende kurze Zeit mit Dingen verbringen, die doch keinen Bestand, keine Zukunft haben – wie etwa dem Pflanzen eines zarten Setzlings, der Jahre braucht, bevor er zum Baum gewachsen ist und Frucht bringt; Jahre, die es nicht mehr geben wird.

Aber das Zitat kann uns etwas anderes vor Augen führen: Christen haben immer eine Zukunft. Es gibt immer einen Morgen. Auch inmitten der dunkelsten Nacht. Auch in der ausweglosesten Situation. Ja, Christen haben immer eine Zukunft, die uns beispielsweise auch keine Pandemie, kein Krieg, kein noch so kleines oder großes Übel nehmen kann. Selbst wenn ich auf meinem Sterbebett liege und davon ausgehen muss, dass meine mir verbleibenden Stunden auf der Welt an zwei Händen abgezählt werden können, weiß ich, dass es dank Christus ein Morgen gibt.

 

 

Ja, eben daran werden wir in der aktuellen Kirchenjahreszeit wieder erinnert. Jesus Christus ist den Weg ans Kreuz und in den Tod gegangen, um uns eine Zukunft zu erschließen, die wir ohne ihn nicht gehabt hätten. Er ist Ostern siegreich aus dem Grab auferstanden, damit es auch für uns mit dem Tod, mit dem Weltuntergang, mit Sterben, mit Leid und menschlicher Not eben nicht zu Ende ist, sondern es für uns eine herrliche Zukunft gibt, in dem ewigen Friedensreich unseres himmlischen Vaters.

Jesus spricht bei Matthäus (Mt. 6, 19 - 20): „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen.“ Übertragen auf unser Zitat können wir dieses Wort vielleicht so verstehen: Weil ich weiß, dass die Welt irgendwann (möglicherweise bereits morgen) untergeht; weil ich weiß, dass ich irgendwann (möglicherweise bereits morgen) sterben muss, will ich mich an dem Baum erfreuen, den Christus mir im Himmel gepflanzt hat. Ja, das ist ein ganz großartiger Schatz: Ein Lebensbaum, der meinen Namen trägt, der ewig blüht und ewig Früchte trägt!

In der Freude über das, was Jesus Christus durch sein Sterben und Auferstehen für uns gewonnen hat, wünsche ich Ihnen und euch eine gesegnete Restpassions- und Osterzeit,


Ihr und euer
Pfarrer Michael Ahlers

 

 

Mach in mir deinem Geiste Raum,

dass ich dir werd ein guter Baum,

und lass mich Wurzel treiben.

Verleihe, dass zu deinem Ruhm

ich deines Gartens schöne Blum

und Pflanze möge bleiben.

 

Paul Gerhardt – ELKG2 741, 14